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Werde zum besseren Handy-Fotografen für knapp 5€ – ich glaube ja nicht…

Fotomagazin ist wohl jedem, der sich irgendwie mit Bild und Kamera auseinander setzt, ein Begriff. Nun gibt es ein „Spin off“ für Handyfotografie. In der Erstausgabe, die seit Ende Mai am Kiosk für 4,90€ zu haben ist, springt einem das Versprechen an, für ein paar Euro nach dem Schmöckern der Ausgabe ein besserer Handy-Fotograf zu sein. Nun denn – Kohle aus dem Sparschwein gekratzt und der Test für Euch…

SMART SHOT - für knapp 5€ zum besseren SmartPhone-Fotograf?

SMART SHOT – für knapp 5€ zum besseren SmartPhone-Fotograf?

Kurzer Überblick über den Inhalt:
Viele „Ideenvorlagen“ aus Instagram oder/und dem Rest des Handy-Bilder-Universiums. Auch ein Tutorial zu den Apps für bessere Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Ein paar Gadgets für die Fotografie mit dem Handy und natürlich die Bestenliste der aktuellen (Foto-)Handys. Cloudspeicher und Selfie-Wahn. Und ja, wie verdiene ich Geld mit meinen (Handy-)Bildern. Noch ein bisschen Vergleich zwischen Spiegelreflex- und spiegelloser Kamera – und schon ist das Magazin fertig.

Auch wenn mich Techniken und Hintergründe noch nie sonderlich interessiert haben, da ich seit Jahren alle Photoshop-Updates mitkaufe, muss ich gestehen: EINE ABSOLUT MAUE AUSGABE! Die knapp 5 Euro solltet Ihr besser in eine Portion Eis oder eine Karte fürs Freibad investieren.

Den Handy-Vergleich findet Google mehrfach kostenlos im Netz – oder Ihr streift mal schnell beim Elektro-Discounter Eurer Wahl durch die Regale. Die Gadgets, die für besseres Fotografieren mal kurz auf einer Doppelseite abgelichtet werden… sagen wir es so: wer von einem Tripoid oder Aufstecklinsen noch nie was gehört hat, sorry, dann ist das auch nicht Eurer Magazin.

Am meisten stört mich aber, der immer noch altbackene und biedere Ton, der 1:1 aus dem Fotomagazin übernommen wurde. Wo ist die Lockerheit und die flotte Schreibe des Deckblatts? Wohl in der Rechtschreibkontrolle mitgekillt worden. Wo sind die blumigen Versprechen der besseren Fotografie? In einer Erstausgabe, keine Basics zu Licht, goldenem Schnitt, Gegenlicht- und Schattenspielen? Zu Kamera-Apps „ab Werk“ und deren Einstellungen sowie die Bedeutungen dahinter? Statt dessen total öde Bilderstrecken von Instagram-„Stars“? Wirklich?

 

Pro: Wer nicht weiß, wo bei seinem Smartphone oben und unten ist und ob es eine Kamera hat – Du bleibst ahnungslos, hast aber was über Bilder, nun ja… gelernt, im entferntesten Sinn.

Con: Langweilig, zu teuer für ein nicht eingelöstest Versprechen. Bieder und mittelalterlich vom Schreibstil. Nicht für die Handy-Generation!

Steve: Finger weg! Eis und Freibad macht für die gleiche Kohle mehr Spaß!!!!

 

Swipen statt schreiben, also tippen? An sich schon ne geile Idee und tolle Vereinfachung!

Lange Zeit war es dem wesentlich offenerem Android vorbehalten, die mitgelieferte und standardmäßige Tastatur gegen eine Beliebige zu tauschen. Es war abzusehen, dass Apple irgendwann dem Druck der zahlenden Kunden folgend (und einfach auch, um die eigene Ideenlosigkeit zu übermalen), sich hier auch öffnen. Damit sind Swype und weitere Anbieter nun für beide Plattformen erhältlich.

Und an sich ist es eine schöne Sache. Nicht mehr tippen, sondern durch streifen über die Buchstaben die gesuchten Worte zu bekommen. An sich klappt dies auch wunderbar, ist schnell, effizient – aber mit der Zeit nutzt sich das „Feature“ ein wenig ab.

Sei es, dass banale Wörter wie „Morgen“ plötzlich „Putschversuchniederschlagungsangriff“ ergeben oder plötzlich das ein paar Mal verwendete amerikanisch Lexikon im Vordergrund steht – bei Texten, die über Zeilen nur deutsch sind.

Nachteil an der Geschichte mit diesen Tastaturen ist, dass sie „lernen“. Oder das, was der zuständige Programmierer mit seinem dahinter liegenden Algorithmus als „Lernen“ eingebaut hat. Daher werden die Tastaturen teilweise „vorausschauend“ – es reicht, zwei, drei Buchstaben zu „überfahren“, schon ist das gewünschte Wort fertig gestellt – allerdings steigt auf der anderen Seite die Bullshitquote.

Swypen statt Tippen? Quelle: Swype

Swypen statt Tippen? Quelle: Swype

So war meine Tastatur, bevor ich sie dann doch genervt wieder durch das Original von Google ersetzt habe, immer der Meinung, ich möchte meine Mails mit „Viele Grüß, Sandra.“ beenden. Nun gut, das mit dem Grüß wäre vielleicht noch durchgegangen… aber… WHO THE FUCK IS SANDRA??? Wo bitte kommt diese „Prediction“ nochmal genau her? Eine Ableitung aus meinem YouPorn-Profil? Aber, nach gründlicher Recherche kann ich Euch sagen: Auch da, keine Sandra…

Und je mehr man sich in diesem Stadium blind verlässt, desto mehr Müll wird produziert.
Und, jetzt kommt der größte Nachteil der schönen neuen Welt: Man kann das „lernen“ dieser Apps nicht „zurück drehen“.
Somit steigert sich mit jedem neuen Wort neben der Trefferquote eben auch immer der Bullshitfaktor – und plötzlich explodieren dahinter liegende Wörterbücher mit Selbstkreationen der lernenden Algorithmen – sehr zum Entsetzen von „blind abgeschickten“ Nachrichten.

 

Ich bin daher am überlegen, mal einen (bevorzugt Wochenend-)Tag lang nur zu twittern, was die „geschwungene Tastatur“ so produziert – und parallel dazu über den PC zu twittern, was ich eigentlich wirklich schreiben wollte… das wird sicherlich ein lustiges Ergebnis… gehe mal in mich, wie und wann ich das am besten realisieren kann – also, stay tuned!

 

Und bei Euch? Zufrieden? Oder auch wieder auf Tippen/Spracheingabe zurück gegangen? Freue mich auf Kommentare und Rückmeldungen!