Wie ich mit Unterstützung des Bayrischen Rundfunks quasi zum nächsten Kanzler gekürt wurde und welche schlagkräftigen Argumente mein Bewerbungsschreiben beinhaltete – vom Bildmaterial ganz abgesehen!

Da war er also, der nächste Karriereschritt. Und dass durch die Lokalpresse gezielt im Raum meiner Heimatstadt gesucht wurde, war ein zusätzliches Zeichen: Sie suchten nach mir und in ihrer Verzweiflung eben, klassisch wie früher, per Zeitungsannonce. Somit wollte ich weder Hannes noch seine Sendung auf dem BR, die mit Ringlstetter seinen Nachnamen trägt, enttäuschen und ließ mir ein paar Zeilen, die die Zukunftsfähigkeit und eben auch meine schnell belegen sollte. Und ein schnippisches Bild, um in der Staatskanzlei in München auch gleich mal für ein wenig Aufruhr und frischen Wind zu sorgen, hatte ich auch gleich noch im Gepäck. Und klar, ein wenig blöd geraten, dass es unbedingt in die Wochenendausgabe Anfang April dieses Jahres rutschte, aber mich konnte nun nichts mehr aufhalten!

Stellenanzeige Kanzlerkandidat des BR / Bild-/Quelle: Mittelbayerische Zeitung
Stellenanzeige Kanzlerkandidat des BR / Bild-/Quelle: Mittelbayerische Zeitung

 

Also, es mussten ein paar staatstragende Zeilen her. Und klar, auch gleich der Ausdruck meines ungebremsten Willens zur Machtübernahme. Und klar, wer wird nach diesem Schritt schon seine alten Freunde vergessen, daher hatte ich für Herrn Ringlstetter auch gleich noch ein freundliches Angebot für die weitere Zusammenarbeit im Angebot.

Kurz gesagt: Mit diesem Text habe ich mich, freundlich, aber klar im Ausdruck, meine Bewerbung an die E-Mail-Adresse des Bayrischen Rundfunks gesendet:

Sehr geehrter Herr Ringlstetter,

hiermit erhalten Sie meine Bewerbung auf Ihr Stellengesuch in der Mittelbayerischen Zeitung vom 01./02. April 2021.

Lassen Sie mich ohne Umschweife direkt zur Sache kommen:
Um die Nachvollziehbarkeit von Corona-Regelungen für die Bürgerinnen und Bürger verständlich zu machen, greife ich auf eine Mischung von Ereignis- und Gemeinschaftskarten gängiger Monopoly-Spiele zurück. Moderne Editionen wie „Bankenwesen“ oder „Luftfahrt“ helfen, wirtschaftspolitischem Agieren in der Pandemie gesellschaftliche Anerkennung und Verständnis für Entscheidungsfindungsprozesse zu ermöglichen.
Durch ein Gremium aus Paul-Ehrlich- und Robert-Koch-Institut als auch Amnesty International wird verhindert, menschenunwürdige Editionen, wie z.B. die römische Kolosseum- oder die Ruhrpott-Version zu verwenden.

Den Einsatz von Löwen möchte ich allerdings im Rahmen einer „Corona-Ampel“ nicht ausschließen, unterstelle ich doch, dass diese majestätischen Tiere in der Fußgängerzone oder in geöffneten Supermärkten schnell für Abstand unter den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern sorgen. So vergeht die Zeit bis zur Wahl bis im Flug!

Apropos Flug: sollte der olle Höttges weiterhin um Gewinnmaximierung im Ausland bemüht sein, statt die Digitalisierung der Bundesrepublik mit schnellem DSL oder sogar Glasfaser voranzutreiben, stocke ich den eher ungeraden Anteil der Bundesrepublik an der Telekom auf 35 Prozent auf und nutze parallel dazu das Ankeraktionärs-Prinzip bei der Lufthansa. Dann kann Herr Höttges höchstpersönlich mit Herrn Spohr das Internet in die entlegensten Ecken Deutschlands fliegen! HomeOffice und Homeschooling störungsfrei für jederfrau und -mann!

Die Wirtschaftspolitik führe ich analog zu meiner Vorgängerin fort. Wo sollen denn sonst auch all die auf Halde produzierten Nebelkerzen hin, wenn nicht einer meines Kalibers z.B. den Automobilherstellern nicht neue enge Fristen für die Elektrifizierung von Flotten vorschreibt, den Fuhrpark der Regierung aber durch Sponsoring hoch protziger Achtzylinder mit Dieselaggregat auf Spur hält? Schließlich kann jeder 9-Volt-Block zu sofortiger CO2-Neutralität in der Flottengestaltung führen. DAS nenne ich „Made in Germany“, das kann auch investigativem Journalismus standhalten und die Zukunftssicherheit Deutschlands (unter-)stützen.

Alle weiteren von Ihnen geforderten Themenblöcke stellen für mich auch kein Problem dar. Man(n) kennt ja immer jemanden, der wieder jemand kennt, der sich um solch belanglose Themen kümmert…

Positiv abschließend möchte ich betonen, dass dank meiner Person auch der Bedarf an einer umfangreichen Umzugspauschale entfällt, da mein Wohnsitz bereits in der Hauptstadt zu finden ist und ich bereits seit diesem Jahr voll vom Länderfinanzausgleich profitiere.

Nicht unerwähnt lassen für unser beider Verhältnis möchte ich die Tatsache, dass die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) noch auf Antwort wartet und mit Sicherheit im Rahmen meiner nachfolgenden Legislaturperioden mehrfach mit einem Besuch zu rechnen ist.

Ich habe mir daher erlaubt, für Ihre positive Rückmeldung auf meine Bewerbung den 07.04.2021, 15 Uhr zu notieren.
Schließlich liegt mit Ihr Wohl ebenso wie das aller weiteren, ca. 83,02 Millionen Menschen der Bundesrepublik Deutschland, ausschließlich und rund-um-die Uhr sehr am Herzen.

Mein Presseteam steht Ihnen für eine unkomplizierte Terminvereinbarung unter meiner Handy-Nummer zur Verfügung.

In alter „Söderscher Tradition“ reiche ich Ihnen beiliegendes Bewerbungsfoto mit meinen Unterlagen ein.

Mit besten Grüßen nach München
Steve Schutzbier

Und, mit einem weiteren Augenzwinkern in die bayrische Landeshauptstadt hatte ich folgendes Bild mit dem Dateinamen „NimmdasShrek!.jpg“ angehängt. Markus Söder weiß, dass jetzt ein überlegener Gegner den Ring betreten hat und dass seine Stunde geschlagen hat:

Titel "Nimm das Shrek!" - die bayrische Landeshauptstadt und auch die fränkische Metropole Nürnberg versteht, was ich meine! / Bild-/Quelle: privat
Titel „Nimm das Shrek!“ – die bayrische Landeshauptstadt und auch die fränkische Metropole Nürnberg versteht, was ich meine! / Bild-/Quelle: privat

 

Aber leider waren meine Unterlagen wohl doch einschüchternder als ich selbst in der verschickten und mehrfach durch mein Presseteam nachgebesserten Version gedacht hätte: weder vom BR noch die Staatskanzlei noch irgendjemand aus Berlin traute sich, in direkten Kontakt mit mir oder meinem Team zu treten.

Gut – was daraus geworden ist bzw. in den nächsten Wochen noch so gedeihen wird, kann man ja jeden Tag in der Wahl-Nach-Berichterstattung im Fernsehen oder den gängigen Radiogeräten so entnehmen. Ich sage nur soviel: mit MIR wäre das SO NICHT passiert!

 


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