233 Die Google Pixel Watch – eine halbfertige Totgeburt!

Ich bin, als die ersten Smartwatches auf den Markt kamen, mit der Pebble ganz vorn dabei gewesen. In der zweiten Welle habe ich mich, was sich als glückliches Händchen herausstellen sollte, für das Modell von Samsung entschieden. Als Nächstes folgte das Modell von Motorola – rund und doch nicht 100 Prozent Display. Dank eines Besuchs in Dubai habe ich auf die HUAWEI gewechselt. Dann war aber die Lust raus, die zweite Welle war vorbei. Wer macht heute schon noch erfolgreich Android-Uhren? Ja, seit Neuestem Google selbst: aber ich sage es gleich, der große Wurf ist die Google Pixel Watch auf jeden Fall nicht. Und das ist für jedermann beim Einrichten sofort ersichtlich!

Ein Google Handy spricht mit einem Google Gerät und die meistgezeigte Meldung ist diese! Muss ich mehr sagen? / Bild-/Quelle: privat
Ein Google Handy spricht mit einem Google Gerät und die meistgezeigte Meldung ist diese! Muss ich mehr sagen? / Bild-/Quelle: privat

Das Gerücht, dass Google eine eigene Uhr auf den Markt bringt, ist so alt wie die Smartwatch unter Android. Aber, gekommen ist nie was. Noch nicht mal, als Google plötzlich aus unverständlichen Gründen gerade Fitbit kaufen musste. Nein, keine Uhr in Sicht. Wobei – gibt es Fitbit eigentlich noch oder hat Google das auch klammheimlich eingestellt?

Nein, Spaß, oder tödlicher Ernst beiseite, Fitbit lebt. Noch. Immerhin gibt es mit der Google Watch ein halbes Jahr Fitbit Premium umsonst. Jahrespreis knapp 80 Euro. Wofür genau, hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Aber egal, die sechs Monate nehme ich mit, gekündigt sind sie auch schon.

Aber der Reihe nach und nun oute ich mich auch: Ich produziere wegen viel Arbeit aktuell wann immer möglich Blogposts und Podcasts im Voraus. Die Zeilen zu der Uhr schreibe ich aktuell am 15.10., direkt nach Zustellung. Ich fürchte aber, dass ihr das frühestens zweite Novemberwoche lesen und hören werdet. 

Ich hoffe aber ganz schwer, dass Google bis dahin viel über die obligatorischen Updates für die Hard- und Software nachgebessert hat! Warum?

Wer ist jetzt bereit für {productName}? Tja, doppelt peinlich, von einer Google App dies für das neue Top-Google-Modell zu erfahren! / Bild-/Quelle: privat
Wer ist jetzt bereit für {productName}? Tja, doppelt peinlich, von einer Google App dies für das neue Top-Google-Modell zu erfahren! / Bild-/Quelle: privat

Weil man der Uhr und auch den Apps, die man benötigt, anmerkt, dass alles mit heißer Nadel gestrickt wurde und nichts fehlerfrei oder erwartungsgemäß funktioniert.

So – zurückspielen und ganz von Anfang!

Auspacken - und sofort merken, dass das mitgelieferte Armband nichts taugt / Bild-/Quelle: privat
Auspacken – und sofort merken, dass das mitgelieferte Armband nichts taugt / Bild-/Quelle: privat

Google hat mal wieder viel Energie in die Verpackung gelegt. Der erste Teil geht leicht, aber sobald man an das Ladekabel will, greift man sich ob der Verklebung und den versteckten Laschen einfach nur ans Hirn. Sagt also nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Wenn die Uhr dann mal im Freien ist und ihr vielleicht so wie ich noch die alte Wear OS-App auf eurem Telefon ist, werdet ihr nicht weiterkommen. Aber immerhin zeigt euch eine Meldung an, dass ihr die neue Watch-App laden müsst.

Wenn die dann drauf ist, geht es an das Verbinden mit der Uhr. An sich ein einfacher Vorgang, da die Uhr eSIM, Bluetooth und WiFi unterstützt. Aber bitte, doch nicht bei Google! Ich sah, trotz mehrfachem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen immer nur eine Fehlermeldung, dass eine Verbindung nicht hergestellt werden kann. 2022 lässt grüßen, Google, das ist mehr als peinlich!

...ja, aber nur, wenn die Verbindung zwischen Handy und Uhr endlich klappen würde! / Bild-/Quelle: privat
…ja, aber nur, wenn die Verbindung zwischen Handy und Uhr endlich klappen würde! / Bild-/Quelle: privat

Das Geheimnis, wie es klappt? Es hätte mir gleich einfallen können! Als ich mein erstes Jabra-Bluetooth-Headset mit einem Nokia oder SonyEricsson-Handy gepaart habe, musste man beide fast aufeinanderlegen. Und ja, die guten alten Zeiten hat Google auch nicht vergessen: es klappt nur, wenn Handy und Uhr sich idealerweise berühren! IN 2022, VERDAMMT NOCH MAL! SO NE SCHEIßE, GOOGLE!

Noch besser wird es, wie es immer mit Google Hardware ist: kaum eingerichtet, kommen erste Updates, die Hard- und Software-Fehler bereinigen. So auch bei der Uhr! 
Wer also mehrfach der Anleitung folgend keine, ja, wirklich, keine Verbindung zustande bekommen hat und die Uhr, wie in der Hilfe beschrieben, auch mehrfach auf Werkseinstellungen zurückgesetzt hat, denkt sofort an:  Zurücksetzen, einpacken und die gute alte Fliegeruhr wieder ans Handgelenk zu packen. Ich hatte da das erste Mal die Schnauze voll, noch keine fünf Minuten nach dem Auspacken.

Dabei war der Akku zu 86 Prozent vorgeladen. Und Bluetooth schafft mit neuem Standard auch so seine 20 Meter. Nur nicht im Google-Universum, da muss die Uhr gewissermaßen auf dem Handy liegen – total undurchdacht, was die Bedienung des Bildschirmes angeht. Aber man hat viel Zeit, das Binden beider Geräte kann schon mal drei bis vier Minuten dauern. Und ja, wer dann auch noch die Fitbit-App nutzen möchte, macht den gleichen Zirkus abermals. VIER VERDAMMTE MINUTEN UM PER BLUETOOTH EINEN HALBFERTIGEN ELEKTROSCHROTT ZU VERBINDEN!

Und nun, und das kennt jeder, der schon mal den Fehler gemacht hat und bei Google ein Gerät gekauft hat, kommt erst mal das erste große Update. So auch auf der Uhr. Auch hier gibt es wieder Leichtsinnsfehler für jeden, der weiß, wie man einen modernen Akku schont: Google zwingt einen, für das Laden und Installieren die Uhr in die Ladeschale zu packen. Vorteil: danach weiß man, wie heiß die Uhr werden kann – und die will man so niemals an seinem Handgelenk haben. Nachteil: das Update scheint per Brieftaube Bit für Bit über den Atlantik zu kommen, so dauert die unbekannte Größe mal schnell fast ’ne Stunde, bis sie geladen und installiert ist. Aber, laut Beschreibung, bessert sie nur die Sensoren für die Fitbit-App nach. Danke für nichts, Google!

Also, kurze Zusammenfassung:
Wenn die Uhr ausgepackt und in Betrieb genommen wird, muss erst die neue Watch-App geladen werden. Danach im Zuge der Einrichtung, die nur funktioniert, wenn die Uhr quasi auf dem Handydisplay liegt.  Warum? Weil Bluetooth im Jahr 2022 noch nicht richtig aufgeweckt wurde. Und kurz danach muss das gleiche Spielchen mit der Fitbit-App passieren – auch hier die Uhr am besten auf das Display-Glas des Pixel-Handys tackern. Einfach nur peinlich. Selbst für ein halbfertig Produkt.
Und wenn jetzt alle Hürden, die sich auch nicht scheuen, mehrfach aufzutreten, erledigt sind, kommt das obligatorische Update für die Uhr. Mittlerweile sind WiFi-Verbindungen vom Handy übernommen worden und aktiviert, Bluetooth sowieso und, wenn es euer Modell unterstützt, auch eine eSIM mit der Außenwelt verbunden. Aber Google scheint sich bei dem Update so zu schämen, dass sie keine Dateigröße angeben – bei mir hat es fast ne Stunde gedauert, bis es überhaupt geladen wurde. Weitere 15 mins für die Installation und den Neustart. ABER: all das kappt nur, wenn ihr den Akku der Uhr gleich mal brachial quält – die Uhr muss dafür dauerhaft in der Ladeschale sitzen!

Und dann?
Ist die Uhr fertig. Solange ihr nicht das kürzere Armband gegen das vormontierte lange tauschen wollt. In jedem Fall muss man sich aber mit den Bändern im Klaren sein, bei einem Gedränge ist die Uhr sofort weg. Der Verschluss hält wahrscheinlich noch nicht mal, wenn man selbst eine Jacke anzieht. Noch nicht getestet, aber ich wette, ich verliere sie dann. Und da Google, wie man auch im Store sehen kann, nun glaubt, mit den Bändern ein riesen Business aufzuziehen, kostet der ganze China-Plastik-Schrott ein Vermögen, dass ich nicht bereit bin, auszugeben.

Und dann?
Machte sich die Ernüchterung breit.
Ich trage sonst große Fliegeruhren, eben auch für große Hände. Die Google Watch ist ein Winzling! Einzig das gut beleuchtete Display reißt meine kognitive Dissonanz ein wenig zurück. Aber, Stand jetzt wie zuvor erwähnt, 15.10.2022, schicke ich die Uhr wohl nach ein paar Tagen „Trageprobe“ wieder zurück. Trotz eingebautem Lautsprecher und Mikrofon, die den Assistenten und auch richtiges Telefonieren bieten – das Ding hier ist ein Barbie-Spielzeug! Und auch der Sperrmechanismus, PIN oder Muster, zeigt, dass Google von Uhren keine Ahnung hat! 
Wer den aktiviert, muss bei JEDER Nutzung die PIN eingeben. Pushnachricht? PIN eingeben, lesen und sobald die Uhr sich wieder abgeschaltet hat, muss mit der nächsten Interaktion wieder die PIN eingegeben werden. Sinnvollster Blödsinn!
HUAWEI hatte das vor Jahren so gelöst, dass die Abfrage sporadisch kommt. Aber nur, wenn die Uhr mit dem „original“ Bluetooth der Einrichtung dauerhaft verbunden ist. Macht ja Sinn, wenn die Uhr am Handgelenk oder in meiner Nähe ist, brauche ich ja wirklich nicht bei jeder Aktion eine PIN-Abfrage. HUAWEI wusste das vor Jahren schon. Google wohl nicht, weil danach nicht so oft gegooglet wurde, was?! Oder weil HUAWEI sich einfach Gedanken gemacht hat…

Aber eines muss man der Uhr dann doch lassen: Sie ist wasserfest. Waren es fünf Meter? Oder 50? Ich habe es mir nicht wirklich gemerkt, da Google es wieder besonders detailliert bzw. kompliziert im Store darlegen musste. Mit Strömungsgeschwindigkeit und Wassersäule. Und natürlich kommt gleich die Warnung dazu, dass die Dichte über die Zeit und je nach Wasserrattenleben nachlässt und eben nicht für die Ewigkeit ist. Danke!

Und jetzt, wo sie da ist, an meinem Handgelenk, und endlich in Betrieb. Da macht sich Ernüchterung breit. Ein kleines teures Gadget, dass ich nicht gekauft hätte, wenn man es mir nicht zum Handy geschenkt hätte. Und schon gar nicht für 399 Euro ohne oder 429 Euro mit eSIM. 

Aber ob ich in einer Woche anders denke, könnt ihr dann wahrscheinlich so in drei oder vier Wochen im Blog und Pod hören und lesen. Oder ab, was ich mir gar nicht vorstellen kann, packt mich doch nicht die Begeisterung. Jetzt erst mal sehen, ob sie heute Abend die Dusche überlebt. Und das Händewaschen. Mit Seife! Oder ob das im Jahr 2022 die Dichtigkeit gleich komplett zerstört.

Ach, und noch ein Manko: Laut Herstellerangaben hält der Akku maximal, eben abhängig von den individuellen Einstellungen, genau 24 Stunden. Komisch, das haben andere Anbieter, um nicht Mitbewerber zu sagen, doch schon besser und länger hinbekommen. Aber gut, ist ja nur Google, Hardware kann der Laden eben nicht. Mal sehen, wie nervig es ist, die Uhr abends immer zu laden, um ein Schlaftracking auch über die Uhr zu bekommen. Und, noch spannender, ob ich mich auf die Uhr verlassen muss oder ob es auch mit meiner altbekannten Sleep as Android-App klappt.

Ihr merkt schon, meine Vorfreude ab Bestellung ist weg. War sie auch schon vor der Lieferung, da Google mir eine Abholung der Ware durch DHL Express bestätigt hat, wohingegen der „Express“ zwei Gänge runtergeschaltet hat und erst mal fast fünf Tage noch nicht mal eine Abholung organisiert hat. So hat die Lieferung also über eine Woche gedauert, ich hätte es also zu Fuß in den Niederlanden einsammeln und nach Hause bringen können!

Na, mal sehen, was Google noch alles fehlerhaft hinterlassen hat... / Bild-/Quelle: privat
Na, mal sehen, was Google noch alles fehlerhaft hinterlassen hat… / Bild-/Quelle: privat

Wer freut sich da schon noch auf den Inhalt, erst recht, wenn Fehlermeldungen und schlechte Technik das Inbetriebnehmen versauen und das Gerät an sich auch keinerlei Wow-Effekt mit sich bringt. Oder sich dieser noch unter zu vielen weiteren Fehlermeldungen und Technikversäumnissen verstecken muss – oder er schlichtweg einfach gar nicht da ist?

Ich fürchte, die Google Watch hat keinen Wow-Effekt.
Und ich orakle euch heute schon: Es wird davon keine Google Watch 2 geben.
Aus. Basta. Ende.

 

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2 Antworten auf „233 Die Google Pixel Watch – eine halbfertige Totgeburt!“

  1. Immer wieder ein Quell der Freude Deine Produktreviews aus dem Hause Google zu lesen…als Apple-Fanboy erspare ich Dir jetzt das schelmische Lachen …..

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