Was euch über Ostern und/oder beim Start in die Ferien oder Urlaub erwarten wird bzw. könnte – und warum es schon wieder so ein Chaos gibt!

Der Deutsche, der Reiseweltmeister. Jedes Mal, wenn in den letzten Jahren Lockerungen angekündigt wurden, stiegen Anfragen und Ticketverkäufe für die obligatorischen Lieblingsdomizile. Bestes Beispiel: Dass Lufthansa mit einer Boeing 747 von einem deutschen Flughafen nach Malle fliegt! Und da nun so gut wie alle Regelungen zum Fremd- und Eigenschutz von Corona seit ein paar Tagen der Vergangenheit angehören, wird dieses Ostern die Feuerprobe: für Flughäfen, für Airlines, für Dienstleister und somit auch für die Passagiere. Nehmt euch lieber was zu lesen mit, die Wartezeiten können auch sonst ganz schön den Start in den Urlaub vermiesen!

...auch Tegel hatte seine Killerschlangen - von der Currywurst bis zur Lufthansa-Billigtochter auf die letzte Sekunde! / Bild-/Quelle: privat
…auch Tegel hatte seine Killerschlangen – von der Currywurst bis zur Lufthansa-Billigtochter auf die letzte Sekunde! / Bild-/Quelle: privat

Ich habe jetzt nicht mit jedem internationalen Airport in Deutschland telefonisch gesprochen, ich habe hier nur ein paar exemplarische Daten zusammengetragen, damit ihr nicht sagen könnt, keiner hätte euch gewarnt.

Am BER bringt Geduld mit. Neben der Tatsache, dass dieser Airport bisher noch keinem Ansturm, egal von erwartet oder „unerwarteten“ Passagiermassen standgehalten hat, kommt neben dem Problem „PAX“ nun auch noch die „äußerst dünne Personaldecke“ wieder mal zum tragen. Und man scheint nichts gelernt zu haben, aus den kleinen und doch wichtigen Corona-Flugreisemöglichkeiten gelernt zu haben! Nach wie vor fehlt es an Sicherheitspersonal und, wie in Berlin schon immer ein Problem gewesen, sind auch die Bodenabfertigungen, allen voraus wieder mal das Thema Gepäck, heillos überfordert und personell understaffed! Also wird der Schrottairport auch zu Ostern 2022 die Passagiere und Airlines wieder hochgradig frustrieren – alles wie immer!

Apropos BER: auch die Flugbereitschaft der Bundeswehr, die aktuell in Bonn stationiert ist, wird „mittelfristig“, was zwischen einem und 25 Jahre alles bedeuten kann, Bonn als Standort aufgeben und komplett nach Berlin und dann leider eben auch an den BER ziehen. Ich bin gespannt, wie lange die Infrastruktur des BER dann benötigt, um das zugehörige Terminal, dass ja bewusst ein bisschen Abseits zu finden ist, richtig und echt und nicht nach dem Zufallsverfahren angeschlossen sein wird… aber das nur am Rande, das wird uns dieses Ostern am wenigsten in Berlin beschäftigen! Allerdings bin ich auf die dann entstehenden Kosten gespannt, wenn erst mal leer nach Bonn geflogen werden muss, um jemand abzuholen, der dann nach Berlin will!

Auch gibt es weitere Verzögerungen bei S21 in Südwesten der Republik. Hat man, aus den Augen aus dem Sinn, seit Jahren schon nichts mehr von der Chaotenbaustelle „S21“ gehört, erfuhren wir die Tage, dass die S-Bahn-Linie 21, die vom super-duper-Chaosbahnhof zum Flughafen fahren soll, auf jeden Fall nicht im Jahr 2025 fertig wird. Und, wer ist nun wirklich und ganz in Echt überrascht? … dachte ich mir doch… was ist das nur, mit Deutschland und dieser absoluten Inkompetenz bei Großprojekten?!

Auch der Kranich hat sich ein wenig verkalkuliert: konnte es letztes Jahr nicht schnell genug gehen, Piloten ab 55 freiwillig einen frühen Ruhestand schmackhaft zu machen, um sich mehr um die stillgelegten Flugzeuge zu kümmern und eben nicht auch noch um den teuren Personalstamm der Airline. Und nun? Ist 2022, der Deutsche und auch die Welt reisen wieder. Vor allem die NATS-Routen über den Atlantik sind wieder hochattraktiv und schon könnte es im Cockpit „eng“ werden. Somit hat man mit einem Feuerlöscher in der Hand schnell reagiert und sich eine Zahl, man munkelt etwas zwischen 25 und 35, an Piloten verlängernd an den Konzern gebunden. Welcome on board of your Lufthansa Flight!

Ich für meinen Teil heule immer noch der geliebten AN225 hinterher, die nun auf genug Aufnahmen und Bildern für definitiv zerstört bewiesen wurde. Man hat gerechnet, ob sich eine „Instanzsetzung“ rechnen würde, kam aber auf einen zwar einstelligen US-Dollar-Betrag, aber leider auch im Milliardenbereich. Somit wurde entschieden: zu teuer – und trotz des Alleinstellungsmerkmals des ehemaligen Sechsstrahlers in der Praxis weder bezahlbar noch den Kunden zu vermitteln. Nun werden wohl vermehrt die kleine Schwester, die AN124, als auch die damaligen Mitbewerber von Iljuschin und  Tupolew wieder die Himmel bevölkern. Schade trotzdem! Erst recht, da ich die AN225 immer um mal wenige Minuten, dann einige Stunden verpasst hatte, um mal von Innen und aus dem Cockpit bilder zu machen… das hat sich nun leider erledigt. RIP, AN225!

Und, apropos gefallene Engel: auch Boeing kriegt ja so gar nichts in den Griff. Nachdem nun die MAX-Serie über eine Nachzertifizierung der Boeing-Eigenzertifizierung mit FAA-Siegel und zwei schlimmen Abstürzen ein Ende fand, nahm die Linie in der Nachfrage der Airlines vor kurzem erst mal wieder zu – und nun kommen wohl schon wieder neue Probleme auf. Aber nicht nur hier, auch der gebeutelte Müllkippenflieger 787 scheint wohl doch ein baldiges weltweites Grounding zu erleben. Schon wieder wurden Teile entdeckt, die die gewünschte Festigkeit nicht bieten konnten… aber ganz ehrlich, sind das überhaupt noch Dinge, die irgendjemand interessieren?

Und zum guten Schluss hat es DHL mit neuen Wegen zum schnellen Entladen von Paketen ein wenig übertrieben. Spaß beiseite, es hätte viel schlimmer ausgehen können. Aber nicht alle Tage zerbricht ein Flieger, hier eine gute, treue, in die Jahre gekommene B752, beim Landeanflug auf Costa Rica. Soweit man aktuell weiß, hatte die Maschine im Vorfeld Hydraulikprobleme gemeldet, und nicht irgendwie, sondern als eindeutiges MAYDAY! Allerdings musste erst mal Sprit aus den Flügeln, knapp eine Stunde später war es soweit, die Landung wurde angesetzt. Allerdings setzte der Vogel hart auf, drehte sich, kam von der Bahn ab – und hat sich so in zwei Teile zerlegt. Feuerwehr und Rettung waren schnell vor Ort, den Piloten ist nichts Schlimmeres passiert. Die Maschine wird wohl ein zweites Leben als Konservendosen nicht erspart bleiben.

Und zum Schluss noch gute Nachrichten für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland: wie die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in Langen mitteilt, wird nun aus den beiden Forschungsprojekten WERAN (Wechselwirkung Windenergieanlagen und
Radar/Navigation) und WERANplus ein Maßnahmenpaket zur besseren Vereinbarkeit von Flugnavigation und erneuerbarer Energie gezogen. Das Thema kenne ich noch gut aus meiner Zeit, als ich im Bereich der Flugverfahrensplanung einen Stuhl nebst Team in der UZ besetzte. Neben der Umstellung auf Satellitennavigation und damit verbundener Abbau alter VOR-Anlagen werden bis nach 2030 weitere 20 Anlagen auf die „neue“ und nicht so störungsanfällige Doppler-VOR-Technik (DVOR) umgestellt. Somit können Windräder näher an entsprechende VOR-Anlagen gebaut werden, ohne dass die sich drehenden Flügel durch Spiegelung oder auch Verzerrung durch Rotation die Signale für die Luftfahrt verfälschen könnten. Damit gelten die bisherigen Anlagenschutzbereiche nicht mehr und ermöglichen in einigen Gebieten, ich habe hier aus meiner Zeit einige Bereiche in Hessen im Kopf, einen weiteren Auf- und Ausbau der grünen Energie. Die DFS geht bereits im Sommer 2022 von einem erhöhten Zubau von Windkraftanlagen aus.

Wie ich immer sage: Die faszinierende Welt der Luftfahrt wird nie langweilig. Egal, ob in der Luft, am Boden oder in der Wartehalle am Flughafen. Gerade für letzteres wünsche ich euch starke Nerven und gutes Durchhalten – sowohl wenn es losgeht als auch, wenn ihr wieder zurückkommt. Happy Landings!

 

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