Kommt das Fliegen – oder besser: der Weg dahin -, also, die „gute, alte Zeit“ endlich wieder zurück? Der @MUC_Airport weiß es!

Da muss man mal für ein paar Tage nach München fliegen und entdeckt auf dem Rückweg eine kleine Sensation: An einem Testaufbau im Terminal 2 bei der Security steht (ganz rechts, wenn ihr als Eco-Passagier durch die Selbst-Ticket-Kontrolle kommt, ich hoffe, dass hilft Euch so weiter – denn sonst ist es eher mittig!) eine Security Lane, an der die neueste Technik getestet wird. Ich musste mir das natürlich gleich mal ansehen – und war sowas von positiv überrascht, um nicht zu sagen – unfassbar begeistert… aber worum geht es jetzt und was hat diese Sicherheitskontrolle mit „guter, alter Zeit“ zu tun?

Schöne heile Kabinenwelt: in den 50ern wurde noch der Anzug und das Kostüm raus genommen, Fliegen als DAS Lebens-Ereignis! Und auch rauchen an Bord war erlaubt und üblich! / Bild-Quelle: fr.de

Schöne heile Kabinenwelt: in den 50ern wurde noch der Anzug und das Kostüm raus genommen, Fliegen als DAS Lebens-Ereignis! Und auch rauchen an Bord war erlaubt und üblich! / Bild-Quelle: fr.de

Was war Fliegen früher, also ganz viel früher, noch für ein Erlebnis: da wurde der gute Sonntagsanzug aus dem Schrank gezogen, die beste Krawatte ans weiße Hemd gebunden und für die Frau war das beste Kostüm gerade gut genug. So war das damals, als Fliegen noch was besonderes war. Und in den Kabinen umfangreich geraucht und (viel Alkohol) getrunken wurde.

Das meine ich aber gar nicht, so weit in der Zeit zurück will ich gar nicht gehen, wenn ich von der guten alten Zeit des Fliegens rede. Ich rede von „vor 2001“ – als man nicht zwischen 60-90 Minuten für einen Inlandsflug am Airport schon in der Security-Schlange stehen musste, weil sich die „neuen“ Regelungen für Flüssigkeiten immer noch nicht komplett durchgesprochen haben.

Oder wenn Tegel mal wieder Quoten-Tag hat, und mir plötzlich weiß machen will, dass selbst ein einzelnes USB-Ladekabel AUS dem Rucksack AUF die Röntgen-Wanne gelegt werden muss – und andere Aberwitzigkeiten, die ich im In- und Ausland seitdem schon erleben durfte.

 

Aber hier tut sich ein Lichtblick im aktuell doch lästig-unkomfortablen Sicherheitsdschungel auf, und zwar an – für mich – Deutschlands schönsten und modernsten internationalen Airport, München Franz Josef Strauß.

Mir ist als erstes der neue halbkreisförmige Aufbau ins Auge gesprungen. Es erinnerte mich stark an Amsterdam und die mir immer wieder gestellte Frage, warum dieses „Wannenprinzip“ an mehreren Stationen sich nicht weiter verbreitet hat – da man somit parallel Passagiere bedienen kann und eben auch langsamere Passagiere ohne Druck in Ruhe alles bereit legen können.

So sieht der Aufbau aus: Halbkreisförmig, mit von unten entnehmbaren Wannen - vier Positionen und der Absicht, langsamere Passagiere zu überholen. Aber: es kommt noch besser! /Bild-Quelle: Flughafen München

So sieht der Aufbau aus: Halbkreisförmig, mit von unten entnehmbaren Wannen – vier Positionen und der Absicht, langsamere Passagiere zu überholen. Aber: es kommt noch besser! /Bild-Quelle: Flughafen München

Allerdings geht München einen Schritt weiter und hat nach dieser Station als Nadelöhr nicht die normalen Durchgangs-Körperscanner oder die mittlerweile veralteten „Hände hoch!“-Geräte im Einsatz, sondern auch hier die neueste Generation: man steht zwischen zwei „Wänden“, wenn auch immer noch fix auf zwei aufgemalten Fußspuren, und streckt die Hände leicht versetzt vom Körper ab – aber ohne die Notwendigkeit, sie, wie in der älteren Ausgabe dieser Technik, hoch zu heben und dort halten zu müssen, bis eben der Scanner seine Halbkreise abgeschlossen hat. Wer ein wenig Zeit im Flieger verbringt, kennt die hier angesprochenen Techniken und die jeweiligen Nachteile für den Passagier.

Blick vom anderen Ende auf den Komplettaufbau: vorne im Bild mittig die Stationen zur Nachkontrolle von Gepäck, das doppelte Bank (links Nachkontrolle, rechts einfach aus der Wanne nehmen und in der Mitte in aller Ruhe das persönliche Sortieren "genießen") und davor die beiden "Wände", die die Durchleuchtung der Passagiere ermöglichen... Na, auf den ersten Blick alles erkannt? / Bild-Quelle: Flughafen München

Blick vom anderen Ende auf den Komplettaufbau: vorne im Bild mittig die Stationen zur Nachkontrolle von Gepäck, das doppelte Bank (links Nachkontrolle, rechts einfach aus der Wanne nehmen und in der Mitte in aller Ruhe das persönliche Sortieren „genießen“) und davor die beiden „Wände“, die die Durchleuchtung der Passagiere ermöglichen… Na, auf den ersten Blick alles erkannt? / Bild-Quelle: Flughafen München

Aber… das beste kommt noch! Und jetzt nochmals zurück in die schöne alte Zeit. Die Zeit, wo man einfach mal in aller Ruhe zur Sicherheit gehen konnte, da man nach einer halbwegs kalkulierbaren Zeit wusste, man ist durch. Also nicht 90 Minuten vorher. Und um das Passagier-Dasein auch hier – ENDLICH! – zu vereinfachen, setzt die Durchleuchtung des Handgepäcks an dieser Versuchsstrecke eine neue, aber uns allen bekannte Technologie ein: Eine Abwandlung der Computer-Tomografie, oder besser in ihrer Kurzform bekannt: CT!

Computer-Tomografie-Technik macht alles besser, leichter und auch für uns Passagiere einfacher: Schicke 3D-Bilder mit individuell-unterschiedlicher Färbung zum schnellen Erkennen von Gegenständen und eben in alle Richtungen drehbar / Bild-Quelle: Flughafen München

Computer-Tomografie-Technik macht alles besser, leichter und auch für uns Passagiere einfacher: Schicke 3D-Bilder mit individuell-unterschiedlicher Färbung zum schnellen Erkennen von Gegenständen und eben in alle Richtungen drehbar / Bild-Quelle: Flughafen München

Und der gigantischste und unglaublichste Hammer an dieser Technik ist: lasst Eure Flüssigkeiten und Eure Elektronik einfach im Koffer!

Ja, kein Witz! Laptop, Kindle, Tablet, Handy, Ladekabel, Drohne, Akku, Wasser, Creme, Gel, Sonnencreme und Zahnpasta: einfach IM Koffer lassen. Egal, ob ihr vorbereitet und es griffbereit hattet oder ob es im obligatorischen Zipper-Beutel bereits nach unten gerutsch ist, der Tomograf findet es und bringt es den Mitarbeitern vor Ort als farblich vorkodiertes 3D-Bild mit Dreh- und Neigungswinkel in alle Richtungen zum Vorschein. Und, dank moderner Technik, können die einzelnen Elemente voneinander separiert werden und somit noch mehr Details zeigen – ganz ohne an den Koffer physikalisch ran zu müssen!

Glück nun, wer sein Gepäck nach der „Durchsicht“ auf dem äußeren Band wieder findet: alles gut, raus nehmen, gehen. Die leeren Wannen laufen automatisch bis zum Ende und verschwinden im Untergrund, um kurz darauf wieder am anderen Ende zur erneuten Verwendung aufzutauchen.

Ich war auf den Test leider schlecht vorbereitet, hätte es mich doch zu sehr interessiert, wie weitere Gegenstände von dem System erkannt und auf dem Monitor bei der Kontrolle angezeigt werden. Oder wie der Unterschied zwischen 125 und 100ml, also un- und erlaubter Menge Zahnpasta so aussieht – und ob dies auch noch zu erkennen ist, wenn die Tube nach Wochen Gebrauch bereits für die letzten Reste „aufgerollt“ ist. Andererseits… vielleicht auch besser so… oder eben nächstes Mal! (ich scherze!)

Ich drücke jetzt ganz doll die Daumen, dass sich die Teststation im täglichen Einsatz bewährt. Alleine die vergrößerten Wannen beschleunigen das „Umpacken“ ungemein. Keine lästigen hoch- und quer-kant Versuche mehr, ob der Handgepäck Trolley nicht doch noch irgendwie passt, bevor er „ohne“ gleichgültig aufs Band geschmissen wird – nein, die Maße passen und lassen Luft für Jacke und Tascheninhalt.

Und jetzt eben nochmals zu dem eigentlichen Clou: Dank der Technik in Form der Computer-Tomografie bleibt Technik und Flüssigkeit ab sofort wieder im Koffer! Kein rum sortieren, panisches Koffer öffnen, EDV-Tablet-Zweithandy-Stapelbauen, nur um dann alles einzeln nebeneinander in zwei Wannen verteilen zu müssen – und dazwischen Tascheninhalt und Jacke unter zu kriegen. All das bleibt fein säuberlich im Koffer – und wird als 3D-Bild auf die Monitore des Sicherheitspersonals gebracht.

Das ganze Konstrukt zeigt auch seine Vorteile im Falle einer Nachkontrolle: hier wird die Wanne direkt und automatisch zur zugeordneten Station transportiert, ohne das jemand „anpacken“, ziehen oder schieben muss. Dort ermöglicht die IT eine Separierung der erkannten Elemente des Koffers – auch wieder alles in 3D. So kann, im besten Fall, eine Nachkontrolle ohne Kofferöffnung erfolgen.

Und sollte, einen Schritt vorher, der Personenscanner Alarm schlagen, sind die Zeiten, auf Socken zurück laufen und seine Schuhe am Anfang auf das Band stellen zu müssen, auch vorbei: Schuhe, Gürtel und kleine Schmuckstücke können direkt an Ort und Stelle, beim Personenscanner, auf einem „Extraband“, quasi „instant“ nachgecheckt werden. Also bei „Alarm“ kein Aufhalten der Schlange, kein zurück- und dann wieder nach vorne „drängeln“ – einfach direkt vor Ort untersuchen und fertig.

 

Wer nun auch testen möchte, muss mit einer Star Alliance Airline ab München fliegen, um im Terminal 2 die Sicherheitsschleuse nutzen zu können. Beeilen solltet ihr Euch trotzdem ein wenig: der ganze Testaufbau ist nur noch bis Ende 2019 verfügbar, dann wird ausgewertet. Und hier hat das Luftamt Südbayern mit Sitz in der Landeshauptstadt das letzte Wort. Zwar vermutet man im Referat Luftsicherheit in der Maximilianstraße, wie ich aus Erfahrung bestätigen kann, dass damit „wesentlich mehr Passagiere pro Stunde durch eine Spur kommen als bisher“.

Bleibt wirklich zu hoffen, dass das neue, und mit Sicherheit nicht unbedingt günstige, System sich bewährt und auch bundesweit schnell den Durchbruch schafft – mir würden Airports einfallen, die diese neue und schnelle Technik dringend brauchen würden!

 

Kleine Randbemerkung: Da Fotografieren im Sicherheitsbereich an sich verboten ist – solange nicht ein kleiner Frankfurter Giftzwerg offene Koffer nebst zerbrechlichen Inhalten vom Band wirft und glaubt, austeilen zu müssen, während Passagiere erneut nach ihrem Vorgesetzten fragen -, habe ich mir das Bildmaterial zu diesem Beitrag vom Flughafen München zur Verfügung stellen lassen. Dieses Copyright des Airport München bezieht sich auf das Banner-Bild und die drei Bilder im Text – mit Ausnahme der Aufnahme aus der frankfurter rundschau (fr.de), die das Passagierleben der 50er darstellt. Im Detail könnt ihr die Bilder des Airports München und weitere Infos auf der Seite vom Flughafen München finden.

Für die schnelle Unterstützung danke ich dem ganzen Social Media Team, dass ich durch Twitter mit viel Begeisterung im Gesicht exzessiv genervt habe, um schnell an Infos zu kommen. Danke auch für das Infopaket, das per email kam, aus dem ich ein paar Fakten für vorstehende Zeilen entnehmen konnte, die ich beim Durchlaufen nicht alle gefunden hätte…!

 

Und wie sieht es bei Euch so aus? Die Versuchsstrecke am Münchner Flughafen auch schon getestet? Oder noch gar nicht gewusst, dass es sie gibt, und nun wird panisch ein Umsteigen über EDDM eingeplant, sobald der nächste Flug ansteht? Oder seid ihr Team Greta und segelt lieber „CO2-neutral“ in einer Plastikbadewanne über den Atlantik, weil ihr da auch keine IT und Flüssigkeiten aus dem Handgepäck nehmen müsst?
Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen zu der neuen Technik und dem neuen Aufbau im München, ich bin sehr gespannt, wie ihr die Sache vor Ort so erlebt habt! Packt das doch wie immer in Eure Mails, Tweets, Kommentare unter dem Blog oder den PodCast – immer her damit!

Dann Blue Skies and Happy Landings – und guckt die Sicherheitsmenschen vor Ort nicht allzu verdutzt an, wenn sie Euch sagen, dass Flüssigkeiten und Technik IM, JA, WIRKLICH, IM Koffer bleiben können, nein, SOLLEN…!

 

 

 

 


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Über aviationsteve

Steve ist glücklicher Inhaber eines Diploms (FH) für Betriebswirtschaftslehre sowie einer europäischen Pilotenlizenz und hat breite Branchenerfahrung in den Bereichen Aviation, Vertrieb, Marketing, Kommunikation, Pressearbeit und Social Media. Er schreibt in diesem Blog, den er ebenfalls als PodCast spricht und veröffentlicht, über Technik, Sicherheit, aktuelle Themen und Buzzwords. Einen Schwerpunkt, den er mehr und mehr ausbaut, obwohl der dieses Thema niemals beruflich machen würde, sind Human Relations Themen.

Veröffentlicht am 10. September 2019 in Fliegen, Intelligentes Spielzeug, Tagtägliches und mit , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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